Schiffsbeteiligung

Schiffsbeteiligung oder Schiffsfonds – was ist das?

Grundlagen

Mit einer Schiffsbeteiligung werden Sie Miteigentümer eines Schiffes - in der Regel über einen Anteil an einem geschlossenen Fonds. Über einen solchen Fonds beteiligen Sie sich als Investor am Kauf eines gebrauchten Schiffes (das im Optimalfall mit einem langfristigen Chartervertrag ausgestattet ist) oder am Bau eines neuen sowie am Betrieb des jeweiligen Schiffes.
Als branchenfremder Anleger haften Sie nur mit Ihrer Einlage und werden als Kommanditist im Handelsregister eingetragen (Vorsicht: es gibt auch die Rechtsform der Patenreederei – dabei haften Anleger mit ihrem Gesamtvermögen!).

Schiffsfonds unterliegen dabei wie andere geschlossene Beteiligungen auch der Überprüfung der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und müssen sich nach festen Regeln am Markt richten. Dazu gehört eine feste Laufzeit, eine vorab prognostizierte Rendite und eine Zeichnungsfrist, während der die Schiffsbeteiligung erworben werden kann.

Nach der Schließung des Fonds, also dann, wenn die vorab definierte Kapitalsumme zur Verfügung steht, können Sie als Anleger auf vergleichsweise hohe Renditen hoffen, tragen aber das unternehmerische Risiko mit, d. h., Sie sind nicht nur am Ertrag, sondern auch an möglichen Verlusten beteiligt ist. Und Sie binden Ihr Kapital längerfristig, meist für 10 bis 18 Jahre.

Die Schiffsarten, die für eine solche Beteiligung zur Verfügung stehen, sind nicht eingeschränkt; hochseetaugliche Frachter gehören ebenso zum Angebot der Schiffsfonds-Initiatoren wie Flussschifffahrts-Dampfer.

In der Regel beteiligen Sie sich als Anleger mit Ihrer Schiffsbeteiligung an Containerschiffen (Container Carrier), Massengut-Frachtern (Bulker), Mehrzweck-Schiffen (Multi-Purpose Ships), Fahrzeugtransport-Schiffen (Car Carrier) oder Tankern (Tankships).



Marktsituation

Die Seeschifffahrt hat einen Anteil von rund 95% am internationalen Warenverkehr. Durch weiterhin zunehmende Globalisierung und weltweiten Handel wird sich der Markt der Handelsschifffahrt auch weiterhin relativ konstant entwickeln; jährliche Zuwächse sind daher nach wie vor möglich.
Etablierte Anbieter und unabhängige Experten betrachten die enormen Absatzsteigerungen der letzten Jahre mit gemischten Gefühlen. Laut Ihrer Ansicht wächst die Gefahr, in einen überhitzten Markt einzusteigen. Die Charterraten markieren derzeit historische Höchststände. Und der internationale Schiffbau verbucht dank zahlreicher Neubestellungen einen Rekord-Auftragsbestand, der die Werften bis ins Jahr 2007 hinein auslasten wird.

Der heftige Wettbewerb der Initiatoren hat die Preise in die Höhe schnellen lassen. Derzeit sind zwar meist noch hohe Fracht- und Charterraten zu erzielen; diese werden aber vermutlich bald sinken, denn 2006 und 2007 werden so viele neue Schiffe ausgeliefert, dass die Engpässe auf dem Schiffsmarkt erst einmal beseitigt sind. Sollte zu dieser Zeit auch das Wachstum des Welthandels stagnieren oder gar einknicken, müssen Anleger die in Aussicht gestellten Ausschüttungen möglicherweise in den Wind schreiben (siehe auch „Risiken“).

Chancen

Der Ertrag bei Schiffsbeteiligungen kommt im Wesentlichen durch zwei Faktoren zustande: laufende Einnahmen (Charterraten) auf der einen sowie der Erlös bei Verkauf des Schiffes nach einer bestimmten Laufzeit auf der anderen Seite. Hier liegt der Gewinn im günstigen Einkauf - der tatsächlich am Markt erzielbare Wert für ein „Gebrauchtschiff“ ist vergleichsweise relativ hoch.
Die Rendite des einzelnen Schiffes wird im wesentlich durch die Fähigkeiten des Initiators - der Firma, die den Fonds auflegt und das Schiff managt - bestimmt. Der Initiator eines Schiffsbeteiligungs-Fonds organisiert die Vercharterung an eine Reederei.

Bei der Auswahl der Beteiligung zählt deshalb in erster Linie das Gesamtkonzept. Nur wenn Initiator, Reeder und Chartergesellschaften seriös Hand in Hand arbeiten, ist ein solides Investment gesichert.

Die Laufzeiten der einzelnen Beteiligungen liegen - je nach Konzept - zwischen zur Zeit 10 und 18 Jahren. Es handelt sich dabei um prognostizierte Laufzeiten. Für den langfristig orientierten Anleger bieten sich damit gute Gewinnmöglichkeiten.

Immer mehr rückt statt der in der Vergangenheit im Focus der Aufmerksamkeit stehenden steuerlichen Vorteile die eigentliche Rendite des Schiffes und damit der Schiffsbeteiligung an sich in den Vordergrund (siehe auch „Steuerliche Betrachtung“). Hier heisst es, gründlich zu prüfen, ob die Annahmen des Initiators über die Einnahmen aus der Vercharterung realistisch erscheinen und die Höhe der Ausschüttungen der Schiffsbeteiligung dem Risiko entspricht.

Risiken

Neben den Renditechancen, die mit einem solchen Investment verbunden sind, tragen Sie bei einer Schiffsbeteiligung auch das volle unternehmerische Risiko bis hin zum Totalverlust.
Diese Risiken sind nicht zu unterschätzen - das größte ist dabei der Preis des Schiffes. "Im Einkauf liegt der Gewinn", weiß jeder Reeder. Von teuren Dampfern lassen die meisten die Finger, denn sie lohnen sich nur, wenn sie dauerhaft hohe Charterraten erzielen – in Zeiten einer allgemein eher unsicheren Wirtschaftslage ein gewagtes Geschäft (siehe auch „Marktsituation“).

Analysten warnen deshalb vor allzu euphorischen Annahmen: "Zu erwarten, dass Schiffsfonds langfristig acht Prozent und mehr ausschütten, ist äußerst sportlich", warnt beispielsweise Peter Kastell, Geschäftsführer von Fondsmedia, einem Analysehaus für geschlossene Fonds.

Steuerliche Betrachtung

Während der Investitionsphase ergibt sich - je nach Konzept - für den Investor ein negatives steuerliches Ergebnis. Dieser Verlust kann mit anderen Einkünften verrechnet werden und reduziert das zu versteuernde Einkommen. Bei Verkauf des Schiffes ist dann ein bestimmter (kleinerer) Teil des Verkaufserlöses steuerpflichtig.
Die Ausschüttungen aus Schiffsbeteiligungen unterliegen einer anderen Besteuerungsgrundlage als traditionelle Kapitalanlagen. Während ansonsten in der Regel die kompletten Zinsen mit dem persönlichen Steuersatz des Anlegers versteuert werden, erfolgt bei den Ausschüttungen aus Schiffsbeteiligungen eine pauschale Gewinnermittlung, die sich nach der Größe und dem Typ des Schiffes richtet. Die Steuerlast beträgt hier nur 0,2-0,4% des eingesetzten Kapitals.

Populär sind die Fonds hierzulande vor allem deshalb, weil sie – immer noch – als Steuersparmodell gelten. Allerdings sind Verlustzuweisungen von 200 Prozent, wie sie Mitte der achtziger Jahre möglich waren, längst passé. Heute liegen die negativen steuerlichen Ergebnisse zwischen 30 und 50 Prozent – was grundsätzlich immer noch sehr rentabel sein kann.

Das – bis einschließlich 2006 noch mögliche Kombimodell (bei dem allerdings beim Verkauf des Schiffes Steuern auf den Zwischengewinn anfallen), hohe steuerliche Verluste direkt bei Abschluss geltend zu machen und dann später auf ein anderes Steuermodell - die sogenannte Tonnagesteuer - zu wechseln, um weitgehend steuerfreie Ausschüttungen zu erhalten, wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Ab 2007 müssen sich der Initiator bzw. Sie als Anleger der Schiffsbeteiligung auf eine konstante Steuerart festlegen:
Wollen Sie Verlustzuweisungen in Anspruch nehmen, dann unterliegen die laufenden Erträge aus dem Schiffsbetrieb der normalen Besteuerung. Oder Sie nutzen ausschließlich die Vorteile der Tonnagesteuer. Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne bleiben dann beinahe steuerfrei. Dafür gibt es andererseits keine Verlustzuweisungen und damit keine hohen Anfangsabschreibungen in der Investitionsphase.

Aufgrund dieser Änderung in der Steuergesetzgebung mutieren Schiffsfonds gerade vom Steuerspar- zum Renditemodell. Die Emissionshäuser haben sich auch bereits darauf eingestellt. Sie setzen jetzt stärker auf Rendite.

Empfehlungen

Wie bei jedem anderen Investment gilt auch für Schiffsbeteiligungen, dass der steuerliche Aspekt nicht im Vordergrund stehen sollte. Vielmehr ist die Konzeption des gesamten Projekts für den Anlageerfolg entscheidend.
Bevor das Schiff nicht verkauft ist, kommen Sie nicht an ihr Geld. Schon alleine deshalb eignen sich Schiffsfonds nur für vermögende Privatkunden als Beimischung.

Außerdem macht eine Investition im Hinblick auf die derzeit hohen Preise (siehe auch „Marktsituation“), eigentlich am meisten Sinn, wenn Sie einen Fonds auswählen, der ein Schiff bereits vor etwa zwei Jahren erworben bzw. gebaut hat, als die Preise noch relativ niedrig waren.

Aufgrund des hohen Einzelrisikos eignet sich eine Schiffsbeteiligung auf keinen Fall für Kleinanleger zur Alterssicherung. Im Rahmen eines größeren Vermögens kann die Schiffsbeteiligung jedoch eine interessante Beimischung des Portfolios sein, die eine weitere Streuungsmöglichkeit darstellt und – unter Berücksichtigung aller Sorgfalt hinsichtlich Auswahl des Initiators und des Fonds an sich – gute Renditechancen ergeben kann.

Geeignet sind Schiffsfonds z. B. für Investoren, die an einer hohen und nahezu steuerfreien Ausschüttung interessiert sind, die ihre Sparerfreibeträge ausgeschöpft haben, ihr Anlagespektrum diversifizieren und in einen Sachwert investieren möchten, Abfindungen optimiert anlegen wollen oder im Rahmen der Erbschafts- und Schenkungsplanung steuerliche Vorteile nutzen möchten.

Anleger, die sich für ein derartiges Investment interessieren, sollten beachten, dass in der Regel das dort investierte Kapital für die gesamte Laufzeit gebunden ist. Ein vorzeitiger Verkauf ist zumindest zur Zeit noch schwierig bis unmöglich. Es sollte also Kapital für ein solches Engagement verwendet werden können, das in absehbarer Zeit nicht anderweitig benötigt wird.

Grundsätzlich ist von einem Investment in auf Patenreederei basierenden Fonds dringend abzuraten: Sie haften dort über Ihre Einlage hinaus mit Ihrem gesamten Vermögen! Dies ist – auch im Hinblick auf das dafür notwendige Vertrauen in den Initiator und den Reeder (das, wenn überhaupt, nur bei langjähriger, persönlicher Bekanntschaft theoretisch vorliegen kann) – ein nahezu völlig unkalkulierbares Risiko.

Zur Information

Sie haben die Möglichkeit, auf bestimmten Routen – nach entsprechend langfristiger Voran meldung – als Anteilseigner auf dem jeweiligen Schiff in der sog. Eignerkabine für einen geringen Unkostenbeitrag (ca. 15 – 50 Euro pro Tag inkl. Vollverpflegung) mitzufahren.

(Autor: Bernd Schraml)